A Night at the Opera

A Night at the Opera

Die Halbinsel im Sydney Harbour, auf der heute das Opernhaus steht, war bis in die fünfziger Jahre Standort eines Train Depots, in dem Straßenbahnen auf ihren Einsatz am nächsten Tag warteten. Welcher Straßenbahnwagon hätte nicht gern die Nacht in dieser Premiumlage verbracht, mitten in der Bucht, mit Blick auf die Royal Botanic Gardens auf der einen und die Harbour Bridge auf der anderen Seite?

Ein schöner Ort, um Straßenbahnen zu parken (Quelle: Reddit)

Als die Stadtväter Sydneys Ende der Vierziger den Bau eines Opernhauses für ihre Stadt zu planen begannen, hatte der Autoverkehr den alten Trams längst den Rang abgelaufen und der Bauplatz war schnell gefunden. Doch der an dieser Stelle zu errichtende Bau sollte nicht nur Opernhaus, er sollte ein Wahrzeichen der Stadt werden. Die Ausschreibung gewann der dänische Architekt Jørn Utzon, dessen Entwurf mit seiner schalenartigen Dachkonstruktion visionäres architektonisches Neuland bedeutete.

Eine Szene aus Metropolis? Nein, die Baustelle der Sydney Opera (Quelle: Opera House)

Die Konstruktionspläne für das Dach wurden in den kommenden sechs Jahren mehr als zwölfmal neu entworfen, und Lochkartencomputer brauchten 18 Monate, um die Statik zu berechnen. Ungeachtet der Tatsache, dass die technische Planung noch nicht abgeschlossen war und weder Kosten noch Bauzeit abgeschätzt werden konnten, begann man 1959 mit den Bauarbeiten. Als diese schließlich 1973 beendet wurden, zehn Jahre später als geplant, waren die ursprünglichen Kosten auf das Fünfzehnfache angestiegen, so dass die Fertigstellung nur durch eine eigens ins Leben gerufene staatliche Lotterie finanziert werden konnte. Utzon hatte Australien bereits 1966 nach einem Überwürfnis mit der verantwortlichen Regierung verlassen, woraufhin das Projekt von lokalen Architekten fortgeführt wurde.

Was nichts an der Tatsache ändert, dass es sich beim Sydney Opera House um ein architektonisches Meisterwerk handelt, das auch 2019, sechzig Jahre nach seinem Entwurf, auf den Betrachter immer noch modern und futuristisch wirkt.

Kommt euch die Geschichte irgendwie bekannt vor?

Nachdem wir für das Konzert von Iggy Pop zu spät dran waren, haben wir uns Opernhauskarten für Joy Division Orchestrated mit Ex-Joy-Division-Bassist Peter Hook und dem Metropolitan Orchestra besorgt.

Hatten wir vorher noch nach dem Dresscode im Opera House gegoogelt („We’re pretty informal here“), fielen wir am Abend im Foyer zwischen all den Unknown-Pleasure-T-Shirts in unseren Weltreiseklamotten gar nicht auf.

Opernhaus in Australien: An der Bar gab’s Dosenbier.

„You bought your tickets on trust“, begrüßte uns Peter Hook zu Beginn des Konzerts, und tatsächlich war es im Vorfeld schwer zu ermitteln gewesen, was uns musikalisch erwarten würde. Doch statt aus Ian Curtis’ Post-Punk-Songs orchestrale Fahrstuhlmusik zu machen, hatten er und Chefdirigent Tim Crooks sich glücklicherweise dafür entschieden, Bläser und Streicher mit einer soliden Basis aus Schlagzeug, Gitarre und wie zu Joy-Division-Zeiten deutlich aufgedrehtem Bass von „Hooky“ zu unterlegen. Begleitet von wechselnden SängerInnen, was mal mehr, mal weniger gut funktionierte.

Und das Konzept ging auf: Spätestens bei „Transmission“ („Dance, dance, dance to the radio“) standen die ersten Sitzreihen und beim Finale testete das ganze Publikum die Saalakustik: „Love, love will tear us apart again …“
Not bad für einen Abend in der Oper.

Filmtipp: Anton Corbijns Film Control über Joy Division und die tragische Geschichte ihres Sängers Ian Curtis

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