Usbekische Odyssee

Usbekische Odyssee

Fällt es eigentlich unter den Schmetterlingseffekt, wenn Indien Bomben über Pakistan abwirft und zwei Weltreisende aus Hamburg daraufhin zu spät in Singapur ankommen?

Die Strecke Tel Aviv–Singapur wird von internationalen Airlines eher suboptimal bedient. Zur Alternative standen für uns Flüge über Athen, Rom oder Berlin, so dass wir uns am Ende für Uzbekistan Airways und einen Flug über die usbekische Hauptstadt Taschkent entschieden. Fünf Stunden Flug, vier Stunden Aufenthalt, sieben Stunden Flug und schon wären wir da.

Der Landwirt hatte uns am Vorabend gewarnt: „Der Luftraum über Nordindien ist gesperrt.“
Wir konsultierten Google Maps: Zieht man auf der Karte eine Linie von Taschkent nach Singapur, führt diese direkt durch Pakistan und Nordindien.

Was für uns bedeutete,
a) dass unser Flug nach Taschkent sechs Stunden Verspätung hatte (nicht, dass die Airline es für nötig hielt, uns darüber aktiv zu informieren),
b) dass wir den Anschlussflug nach Singapur verpassten und stattdessen auf einen Flug nach Bangkok mit anschließendem Transfer nach Singapur umgebucht wurden,
c) dass am Ende unser Gepäck verloren ging.

Die usbekische Fluggesellschaft erwies sich als echter Geheimtipp. Wo sonst kommt man schon noch in den Genuss, im Bordprogramm zwischen alten Schinken mit Jean-Paul Belmondo, Louis de Funès und Pierre Richard sowie einer trashigen Robinson-Crusoe-Verfilmung von 1970 wählen zu können? Schien, als wäre die Filmauswahl beim letzten Videothekenausverkauf mit einem Griff in die Ramschkiste zusammengestellt worden.

Als wir in Taschkent ankamen, war es Mitternacht. Trotz Transit hier noch einmal das volle Programm: Gepäck- und Passkontrolle durch uniformiertes Sicherheitspersonal, das offenbar seine autoritäre Überheblichkeit problemlos aus dem alten Regime herübergerettet hatte. Um den Tourismus anzukurbeln, hat Usbekistan erst vor Kurzem seine strengen Visavorschriften gelockert. Nach einer Stunde im Land sagen wir: Da geht noch was.

In Bangkok blieben uns schließlich 60 Minuten zum Umsteigen in die letzte Maschine nach Singapur. Eine Stunde, um angetrieben von einem Mitarbeiter der Airline den gesamten Flughafen inklusive aller Einreise- und Ausreiseformalitäten zu durchqueren.
„Und unser Gepäck?“, fragten wir, während wir atemlos eine der Fast Lanes entlanghetzten.
„Jaja, das kommt auch mit“, sicherte man uns zu.

Von wegen.

Als wir ohne unsere Rucksäcke aus dem Flughafen in Singapur hinaus in die feucht-schwüle Hitze traten, war es 30 Stunden her, dass wir den Flughafen Tel Aviv betreten hatten.
48 Stunden und mehrere Mails und Telefonate später stand der Bote mit unserem Gepäck vor der Tür, das man letztendlich verlassen am Gepäckband in Bangkok aufgespürt hatte.

5 Gedanken zu „Usbekische Odyssee

  1. Ha! Das mit dem „Klar, ihr Gepäck kommt auch mit!“ kenne ich von einem Flug von New York über Paris nach München. In Paris musste ich wegen Verspätung rennen, um noch den Anschluss zu erreichen. Auf meine Frage, wie das mein Koffer geschafft haben sollte, kam nur diese Antwort – und ich durfte anschließend auch zwei Tage auf ihn warten. 🙂

    Ich hoffe, dass ihr nicht so lange nur in Bademänteln im Hotelzimmer hocken musstet! 😀

    1. Wir hatten Glück im Unglück, dass wir in Singapur bei unseren Freunden Anne und Christoph untergekommen sind, die uns perfekt aufgefangen und mit allem versorgt haben. 😊

  2. You always learn new things!!!! Tashkent has a very colourful history. Even the good old Vikings had a „ball“ there.
    BTW – did you know „On 10 January 1966, then Indian Prime Minister Lal Bahadur Shastri and Pakistan President Ayub Khan signed a pact in Tashkent with Soviet Premier Alexei Kosygin as the mediator to resolve the terms of peace?

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