Die innere Sicherheit

Die innere Sicherheit

Hinter all den Dingen, die uns an Israel gefallen, die kulturelle Vielfalt, das leckere Essen, das arabisch angehauchte Flair, die Altstadt von Jerusalem, die entspannte Atmosphäre in Tel Aviv (wo einen gefühlt an jeder Ecke ein Hauch von Dope umweht), scheint immer wieder die angespannte Lage zwischen Israelis und Palästinensern durch. Ein Konflikt, der viel zu alt und viel zu komplex ist, als dass man als Außenstehender einfach dazu Position beziehen könnte, und etwas, das die Israelis in ihren Alltag integriert haben. Schwer bewaffnete Sicherheitskräfte gehören hier zum Straßenbild.

Und dann stehst du in Tel Aviv an der Strandpromenade und siehst den Surfern zu, die unter dem hin und wieder von tarnfarbenen Militärhubschraubern und Kampfjets durchflogenen wolkenlosen Himmel die blau-weißen Mittelmeerwellen reiten, als der Wind von Süden plötzlich Detonationsgeräusche aus Richtung Gazastreifen herüberträgt. Keiner der Einheimischen blickt auch nur auf.

Was uns zuallererst auffiel, waren die vielen Jungen und Mädchen in Uniform, Teenager noch, mit Schnellfeuerwaffen an der Hüfte. In der israelischen Armee herrscht Wehrpflicht für Männer (drei Jahre) und Frauen (21 Monate), hinzu kommt anschließend ein Monat Reservedienst pro Jahr. Was insgesamt im Straßenbild den Eindruck vermittelt, hier wäre jeder zweite bewaffnet und bereit, sein Land mit dem Leben zu verteidigen. — Was vermutlich genau so beabsichtigt ist.*

Zum Alltag gehören auch willkürliche Sicherheitskontrollen durch Polizei oder Militär. Was nur hatte der junge Mann mit dem Fahrrad verbrochen, fragten wir uns an der Strandpromenade – und er sich offensichtlich auch –, als zwei Polizisten ihn anhielten und seine Papiere kontrollierten, nur weil er statt auf dem Radfahrerabschnitt auf dem Fußgängerweg daneben gefahren war.

Nicht ganz so offensichtlich, aber auf den zweiten Blick ebenfalls allgegenwärtig sind die Public Shelter, Schutzbunker für den Fall eines Raketenangriffs. Unauffällig ins Stadtbild integriert, oft mit einem Spielplatz darüber, sind diese nur an den Betondreiecken des Eingangs und den grünen Stahltüren zu erkennen.

Und wie ist es nun für uns als Reisende in einem Land, das in ständiger Verteidigungsbereitschaft lebt?
Nach fünf Wochen zu Fuß, per Bus, Bahn, Taxi und Mietwagen durchs Land inklusive einer Fahrt durch das Westjordanland gab es keine Situation, in der wir ein unsicheres Gefühl hatten. Wobei die ständige Präsenz schwer bewaffneter Sicherheitskräfte andererseits auch nicht dazu beitrug, dass wir uns sicherer fühlten.

* Aber was erstaunt uns das eigentlich so, die wir aus einem Land kommen, in dem Minderjährige für den Militärdienst angeworben werden und wo auf Pizzapackungen für die Streitkräfte geworben wird?

6 Gedanken zu „Die innere Sicherheit

  1. Ist schon traurig, dass das für die Menschen dort so eine Selbstverständlichkeit geworden ist. Ich finde auch schwerbewaffnete „Sicherheitsleute“ eher beunruhigend. Was machen die denn bei einem Angriff? wild rumballern? Tja, die Israelis sind es wohl gewohnt immer wachsam zu sein.

  2. Lustig wird es dann, wenn sich die kleinen Rekrutinnen die olivfarbenen Army-Pullis ihrer Uniform ganz trendy vorn in den Hosenbund stecken …

  3. denkt mal an unsere Irlandreise 1994, da waren auch bewaffnete Soldaten auf den Strassen und Absperrungen, Hubschrauber ueber dem See mit offener Tuer und Gewehr auf uns angelegt wie im Vietnam Krieg, IRA und Sandsaecke…
    auch erst 25 Jahre her

    1. Daran fühlten wir uns auch erinnert, insbesondere bei den halbherzigen Taschenkontrollen in den Shopping Malls.
      Dennoch fühlt es sich anders an, weil es eben keine Besatzungssituation ist, sondern ein Land im ständiger Verteidigungsbereitschaft.

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