Die Hängenden Gärten von Haifa

Die Hängenden Gärten von Haifa

Wenn Tel Aviv, wie unsere nette arabische Bäckereifachverkäuferin morgens bemerkte, das New York Israels ist, ist das am Berg Karmel gelegene Haifa mit seinen steilen Straßen das israelische Äquivalent zu San Francisco.

Zwar gibt es in den Straßen von Haifa keine Cable Cars, dafür aber mit der Karmelit die einzige U-Bahn Israels (die mit nur zwei Zügen und gerade mal sechs Stationen gleichzeitig die kleinste U‑Bahn der Welt ist). Die schräge Standseilbahn überbrückt 275 Höhenmeter, was praktisch ist, wenn man wie wir die Stadt zu Fuß erkundet.

Blickt man von oben auf die Stadt herab, sieht man, wie sich den gesamten Hang des Berges hinunter die terrassenförmig angelegten „Hängenden Gärten“ rund um den Schrein des Báb erstrecken, eines der Heiligtümer des Bahá’í-Glaubens. Eine Religion, von der wir noch nie gehört hatten, auch wenn sie weltweit mehr als fünf Millionen Anhänger hat. Klingt auch ganz attraktiv: Nach dem Bahá’ítum gibt es nur einen Gott und alle Religionen der Welt sind fortschreitende Stadien dessen Offenbarung; zu den Glaubensgrundlagen zählen die Überwindung aller Formen von Vorurteilen, die Gleichstellung der Geschlechter und dass Glaube und Vernunft keinen Widerspruch darstellen sollten.

Warum ausgerechnet in Haifa? Bahá’u’lláh, der Stifter des Bahá’í-Glaubens, hatte sich im Iran des 19. Jahrhunderts mit progressiven Ideen zur Rolle der Frau im Islam wenig Freunde gemacht und wurde daraufhin in die Gefängnisstadt Akko nördlich der Bucht von Haifa verbannt. In seinem Exil bestimmte er, dass für die sterblichen Überreste seines Vorgängers Báb (der 1850 hingerichtet worden war) an den Hängen des Karmel ein Mausoleum errichtet werden sollte.

Und die Anhänger des Bahá’ítums haben Kohle: Rund um das in den Neunzehnhundertfünfzigerjahren entstandene Mausoleum wurden Anfang der 2000er achtzehn symmetrische Terrassen mit liebevoll gestalteten Gartenanlagen den Hang hinauf angelegt. Mit mehr als einem Kilometer Länge überbrückt die Terrassenkonstruktion der Gärten dabei allein drei Straßenzüge. — Beeindruckend (bei Tag und Nacht).

4 Gedanken zu „Die Hängenden Gärten von Haifa

  1. Sehr coole Beiträge! Jule und ich nutzen immer das gemütliche Frühstück am Wochenende, um uns eure Reiseberichte durchzulesen 😉
    Viel Spaß weiterhin!

    1. Das klingt entspannt. Schön, dass euch unsere Beiträge gefallen.
      Wir hoffen, dass es euch beiden gut geht und ihr die ersten vorsichtigen Gehversuche des Hamburger Frühlings genießt.
      Viele Grüße aus Haifa
      Olaf & Geli

  2. Wie gut, dass ab und zu irgendein Herrscher – meist ein verbannter – ein Mausoleum errichtet hat, sonst haetten wir nicht so schoene Gebaeude – siehe auch Indien.
    Fuer Helmut Schmidt gibt es nur einen Flughafen – den es schon gab -und fuer wen haben wir eigentlich die Elphi gebaut?
    Sieht uebrigens alles nach sehr reichem Land aus.

    1. Ein Land mit Geld schon, das merkt man auch an der guten Infrastruktur, aber daneben gibt es auch genug Material für einen Beitrag „Die zugemüllten Baugrundstücke von Haifa“ ;-).

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